Aus einer Studienidee von 2020 ist bei der WTD 91 ein virtuelles Trainingssystem entstanden, das 2026 in den operativen Betrieb überführt wurde. Soldaten können darin gemeinsam in virtuellen Umgebungen üben. Mithilfe von Ganzkörper-Bewegungserfassung werden ihre Bewegungen übertragen, sodass sie sich selbst und ihre Kameraden in der Simulation wahrnehmen. Unterschiedliche Einsatzräume und reale Übungsorte lassen sich digital abbilden.
Eine Herausforderung bleiben die computergesteuerten Personen, sogenannte Non-Player Characters (NPC). Bislang reagieren sie nur eingeschränkt auf Sprache, Gestik und die jeweilige Situation. Bestimmte Verhaltensweisen müssen durch eine Bedienperson oder mittels der Szenarienplanung ausgelöst werden. Dadurch entstehen u.a. Verzögerungen, die den Realismus der Übung beeinträchtigen. Die WTD 91 untersucht deshalb, wie KI solche virtuellen Akteure zu glaubwürdigeren Reaktionen befähigen kann.
Dafür wurden eigene Trainingsdaten erstellt, die unter anderem kooperatives und aggressives Verhalten sowie unterschiedliche Personen und Stimmlagen abbilden. Versuche mit handelsüblichen KI-Modellen zeigten jedoch deutliche Grenzen. Militärische Situationen erfordern ein differenziertes Kontextverständnis und die sichere Verarbeitung von Fachsprache. Hinzu kamen Reaktionszeiten von zwei bis zehn Sekunden, zu lang für dynamische Trainingssituationen.
Der neuere Forschungsansatz setzt deshalb auf eine modulare Architektur mit spezialisierten KI-Komponenten, etwa für Sprachverständnis und Verhaltenssteuerung. Laut Jaspers konnten die Reaktionszeiten deutlich verkürzt werden. Gesprochene Anweisungen und die Stimmlage lassen sich zunehmend mit passenden Animationen und Verhaltensweisen verknüpfen. Eine weitere Anforderung ist der Betrieb ohne Verbindung zu externen Servern, damit sensible Trainingsdaten innerhalb des Systems bleiben.
Dabei soll die KI nicht beliebig agieren. Für militärisches Training braucht sie klare Verhaltensvorgaben, damit die virtuellen Personen innerhalb des vorgesehenen Übungsszenarios möglichst zuverlässig und nachvollziehbar reagieren. Langfristig könnten so auch größere Trainingslagen mit zahlreichen computergesteuerten Akteuren entstehen, ohne für jede Rolle einen menschlichen Darsteller einsetzen zu müssen.
KI soll im virtuellen Handlungstraining damit eine konkrete Lücke schließen: Die Übungen sollen dynamischer und glaubwürdiger werden, damit Soldaten den Umgang mit unterschiedlichen menschlichen Reaktionen und komplexen Entscheidungssituationen trainieren können.
