Batteriekapazität und Kraftstoffvorrat setzen der Einsatzdauer unbemannter Systeme bislang klare Grenzen. SAILWINT entwickelt deshalb eine maritime Drohne, die im Betrieb mehr Energie erzeugen kann, als sie selbst verbraucht. Windturbinen produzieren dabei elektrische Energie, die derzeit in Batterien gespeichert wird. Für eine spätere Entwicklungsstufe ist zusätzlich ein Wasserstoffsystem vorgesehen. Die erzeugte Energie steht weitgehend für Sensorik und weitere Anwendungen zur Verfügung, weil der reguläre Vortrieb ebenfalls durch den Wind erfolgt.
Das technische Prinzip verbindet Windenergieanlage und Segel. Die Turbinen werden gegenüber der Windrichtung so ausgerichtet, dass ihre Schubkraft zum Vortrieb beiträgt. Kräfte unterhalb der Wasseroberfläche erzeugen dabei – ähnlich wie Kiel und Segel eines klassischen Segelbootes – die notwendige Gegenkraft. Dadurch kann die Plattform auch gegen den Wind kreuzen, ohne dafür elektrische Energie für den Antrieb einsetzen zu müssen. Ein zusätzlicher Elektromotor ist zwar vorhanden, wird im regulären Betrieb jedoch nicht benötigt und dient vor allem besonderen Manövern und der Absicherung.
Ein knapp sechs Meter langer Prototyp verfügt nach Angaben Barnickels über eine maximale elektrische Leistung von drei Kilowatt. Im Durchschnitt rechnet das Unternehmen mit etwa 1,5 bis zwei Kilowatt verfügbarer Leistung. Die Plattform erreicht etwa fünf bis acht Knoten, verfügt derzeit über rund 100 Kilogramm Nutzlastkapazität und wurde mit einer 360-Grad-Infrarotkamera ausgerüstet. Bei einer OPEX-Erprobung konnte der Videofeed über eine angepasste Schnittstelle in ein Lagebildsystem integriert und mit einer KI-basierten Schiffserkennung eines weiteren Partners kombiniert werden.
Auch die Seetüchtigkeit wurde bereits praktisch untersucht. Bei einer Fahrt von Cuxhaven in Richtung Helgoland erreichte jede der beiden Windturbinen bei entsprechenden Windbedingungen eine Leistung von mehr als einem Kilowatt. Die Erprobung fand bei Minusgraden im Winter und einer gemessenen Wellenhöhe von rund 1,8 Metern statt. Bei Bedingungen über Seegangsstufe 5 kann die Plattform nach bisherigen Simulationen weiterhin bestehen, die Turbinen werden dann jedoch sukzessive aus dem Wind gedreht und die Elektromotoren hinzugeschaltet, um die Missionsfähigkeit weiter zu gewährleisten.
Die nächste Entwicklungsstufe soll mit einer Länge von etwa zwölf bis 20 Metern deutlich größer ausfallen und ein vollständiges Wasserstoffsystem integrieren. Der entscheidende Vorteil des Konzepts liegt dabei nicht in hoher Geschwindigkeit, sondern in Ausdauer und dauerhaft verfügbarer Energie. Damit verschiebt SAILWINT eine zentrale Grenze maritimer Autonomie: Nicht nur Navigation und Missionsführung sollen langfristig ohne Besatzung funktionieren, sondern auch die Energieversorgung der Plattform selbst.
