Neue Fähigkeiten zwischen Kleindrohne und Großsystem

Zwischen kleinen Drohnen und tonnenschweren unbemannten Luftfahrzeugen eröffnet sich ein bislang wenig genutztes Fähigkeitsspektrum. Hauptmann Johannes Schnecke vom Innovationszentrum der Bundeswehr zeigt, welches Potenzial mittlere unbemannte Luftfahrzeuge für Logistik, Patiententransport und weitere militärische Aufgaben bieten und wie daraus ein skalierbarer Fähigkeitsaufbau entstehen kann.
Mittlere Transportdrohne mit medizinischem Versorgungscontainer über einer Küstenlandschaft, rechts zwei Soldaten an einer Kontrollstation

KI-generierte Illustration

Die Bundeswehr verfügt bereits über Erfahrungen mit kleinen Drohnen sowie großen unbemannten Luftfahrzeugen wie der German Heron TP. Dazwischen sieht das Innovationszentrum der Bundeswehr jedoch erhebliches Potenzial. Als Arbeitsdefinition betrachtet die Forschungsgruppe „Autonome Systeme und Robotik“ deshalb unbemannte Luftfahrzeuge im Bereich von etwa 600 bis 1.000 Kilogramm und einer charakteristischen Abmessung von maximal 8 Metern. Diese Größenklasse verbindet relevante Nutzlast- und Reichweitenpotenziale mit deutlich geringeren Kosten als große bemannte oder unbemannte Luftfahrtsysteme und ermöglicht einen Betrieb innerhalb der bundeswehrinternen Drohnenkategorie II LV/BV.

Damit erweitert sich auch das mögliche Einsatzspektrum. Während unbemannte Systeme in der Bundeswehr bislang vor allem für Aufklärung und Überwachung genutzt werden, könnten mittlere Plattformen beispielsweise logistische Aufgaben, unbemannte Patiententransporte oder weitere spezialisierte Missionen übernehmen. Ziel ist dabei zunächst nicht, bemannte Luftfahrt zu ersetzen, sondern sie gezielt zu ergänzen und zu entlasten. Hochwertige bemannte Ressourcen können dadurch für Aufgaben verfügbar bleiben, bei denen ihre Fähigkeiten tatsächlich benötigt werden.

Automatisierung bietet zusätzlich die Möglichkeit, mehrere Systeme mit weniger Personal zu betreiben. Perspektivisch soll ein Bediener mehrere Luftfahrzeuge kontrollieren und koordinieren können, wobei eine einheitliche Bodenkontrollstation nach Einschätzung des InnoZBw die Interoperabilität der Systeme stärken kann. Könnten unterschiedliche Plattformen über vergleichbare Bedienkonzepte gesteuert werden, ließen sich Ausbildungsaufwand reduzieren und Systeme flexibler einsetzen.

Der Weg zu einer solchen Fähigkeit führt für Hauptmann Schnecke konsequent über die operative Erprobung mit der Truppe. Prototypen müssen auf dem Campus und auf Truppenübungsplätzen getestet werden, damit Erfahrungen der Soldatinnen und Soldaten unmittelbar in die Weiterentwicklung einfließen können. Parallel müssen Zulassungs- und Genehmigungsstrategien entwickelt sowie Schnittstellen zu bestehenden Führungs- und Managementsystemen geschaffen werden.

Im Mittelpunkt steht damit nicht allein eine neue Drohnenklasse. Entscheidend ist, die technischen, regulatorischen und operativen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass aus verfügbaren Technologien realistisch einsetzbare und skalierbare militärische Fähigkeiten entstehen – nah an den tatsächlichen Anforderungen der Truppe.