Das fehlende maritime Gehirn – vom Plattformdenken zum vernetzten Ökosystem

Immer mehr Sensoren, Drohnen und autonome Fahrzeuge erweitern die Möglichkeiten maritimer Streitkräfte. Doch ihr Potenzial lässt sich nur ausschöpfen, wenn die Systeme zusammenarbeiten. Claudius-Sebastian Meyer, Gründer und CEO der ORCA Defence GmbH, setzt deshalb auf ein „maritimes Gehirn“: eine taktische KI, die vorhandene Fähigkeiten verbindet und ihren koordinierten Einsatz ermöglichen soll.
Blick in eine maritime Operationszentrale. Mehrere Personen überwachen an Bildschirmen ein digitales Lagebild mit Schiffen, Sensordaten und Hafeninformationen. Durch große Fenster ist ein Hafen zu sehen.

Symbolische Darstellung einer maritimen Operationszentrale

In der maritimen Verteidigung wächst die Zahl verfügbarer Sensoren und unbemannter Plattformen. Häufig werden diese jedoch als eigenständige Lösungen betrieben, mit unterschiedlichen Schnittstellen und eigenen Bedienoberflächen. Dadurch steigt die technische Leistungsfähigkeit, ohne dass sich daraus automatisch ein entsprechender operativer Mehrwert ergibt. Aus Sicht von ORCA Defence liegt die entscheidende Herausforderung deshalb in der Integration vorhandener Systeme.

Hier setzt die ORCA Box an. Sie führt Informationen aus unterschiedlichen Quellen – von Unterwassersensoren über unbemannte Fahrzeuge bis hin zu Satellitendaten – zusammen und macht sie für die Einsatzführung nutzbar. ORCA Defence konnte damit bereits zeigen, dass sich die unterschiedlichsten Assets verschiedener Hersteller zusammenbringen lassen, über NATO-Standards ebenso wie über proprietäre Protokolle. Ziel ist ein gemeinsames Lagebild, auf dessen Grundlage verschiedene Plattformen koordiniert eingesetzt werden können.

Meyer beschreibt diesen Ansatz mit der Abfolge „Detect – Decide – Deploy“: Informationen erfassen, Entscheidungen unterstützen und geeignete Systeme einsetzen. Den Kern bildet die taktische KI, die das System und seine Missionen intelligent macht. Ihr sollen 2000 Jahre Seekriegsführung beigebracht werden. Zugleich ist das System so angelegt, dass neue Doktrinen und Taktiken schnell implementiert werden können, statt sie über Jahre zu entwickeln. Entscheidend ist die Anpassungsfähigkeit, wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen. Ein Operator gibt jede Aufgabe frei. Besonders beim Schutz kritischer maritimer Infrastruktur könnten dadurch unterschiedliche Sensoren und unbemannte Einheiten enger zusammenarbeiten.

Nach Angaben von ORCA Defence wird der Ansatz bereits in maritimen Anwendungsszenarien erprobt, unter anderem beim Hafenschutz und bei der Minensuche. Dabei werden zunächst unterschiedliche Vorgehensweisen in der Simulationsumgebung ORCA Playground durchgespielt und anschließend ausgewählte Abläufe mit realen Plattformen getestet. Meyer ordnete die Entwicklung dem Technologiereifegrad 6 zu.

Der entscheidende Gedanke: Der nächste Entwicklungsschritt in der maritimen Operationsführung muss nicht zwangsläufig eine weitere Plattform sein. Er könnte vielmehr darin liegen, vorhandene Fähigkeiten so zu vernetzen, dass aus vielen Einzelsystemen ein gemeinsames, leistungsfähiges Ökosystem entsteht