Anpassungsfähigkeit als Schlüssel moderner Verteidigung

Moderne Streitkräfte stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen klassische Verteidigungsfähigkeiten stärken und sich gleichzeitig an die rasante Entwicklung moderner Kriegsführung anpassen. Kapitän zur See Juhapekka Rautava, Verteidigungsattaché der Republik Finnland in Deutschland, zeigt aus finnischer Perspektive, warum technologische Innovation dabei vor allem eines verlangt: die Fähigkeit, kontinuierlich zu lernen und sich schnell zu verändern.
Rautava während seines Vortrags auf der Bühne der DWT-Fachtagung zu Künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen im September 2026.

Neue Technologien und ein sich dynamisch veränderndes Bedrohungsumfeld stellen Streitkräfte vor die Aufgabe, Innovation deutlich schneller in bestehende Strukturen zu integrieren. Für Finnland bedeutet das, militärische und zivile Forschung und Entwicklung enger miteinander zu verbinden und neue Technologien gezielt für die Verteidigung nutzbar zu machen.

Ein wichtiger Schritt ist die Anfang 2026 eingerichtete Innovation Unit der finnischen Streitkräfte. Ähnlich wie das Innovationszentrum der Bundeswehr soll sie militärische und zivile Forschung und Entwicklung zusammenführen und damit Innovationsprozesse beschleunigen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch ein finnisches Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz, das bereits in internationale Kooperationsprojekte eingebunden ist.

Wie grundlegend technologische Entwicklungen die militärische Realität verändern können, verdeutlicht Rautava mit einem ungewöhnlichen Vergleich aus der Science-Fiction. In Stanisław Lems Roman Der Unbesiegbare trifft die Besatzung eines Raumschiffs auf autonome Mikromaschinen, die sich kollektiv organisieren und selbst überlegene Technologie überwältigen können. Was vor mehr als 60 Jahren Fiktion war, weist für Rautava Parallelen zu heutigen Entwicklungen auf: Drohnen und Schwärme können Aufklärung, Lagebilder und konventionelle Verteidigungsfähigkeiten erheblich beeinflussen.

Daraus ergeben sich drei zentrale Gedanken: Auch vergleichsweise einfache Systeme können durch ihr kollektives Verhalten leistungsfähige Plattformen herausfordern. Nicht jede Bedrohung folgt einer zentralen intelligenten oder strategischen Steuerung – manche Systeme reagieren automatisiert und dezentral. Und technologische Überlegenheit allein genügt nicht, wenn die Fähigkeit zur Anpassung fehlt.

Adaptionsfähigkeit wird damit selbst zu einer strategischen Fähigkeit. Streitkräfte müssen flexibel bleiben, kontinuierlich aus ihrem Umfeld lernen und sich mindestens ebenso schnell weiterentwickeln wie die Bedrohungen, denen sie gegenüberstehen. Innovation ist deshalb nicht nur eine Frage neuer Technologien, sondern der Fähigkeit, Strukturen, Verfahren und Fähigkeiten fortlaufend an eine veränderte Realität anzupassen.