Wer trägt die Verantwortung, wenn autonome Systeme Fehler machen?

Autonome Waffensysteme entwickeln sich schneller als die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihren Einsatz. Prof. Dr. Thomas Klindt von der Kanzlei Noerr zeigt, warum ungeklärte Haftungs- und Verantwortlichkeitsfragen zum Hindernis für neue Technologien werden können.
Fiktives unbemanntes Überwasserfahrzeug auf See, im Hintergrund ein Marineschiff. KI-generierte Illustration.

KI-generierte Illustration

Künstliche Intelligenz eröffnet der militärischen Operationsführung neue Möglichkeiten. Doch während autonome Systeme immer komplexere Aufgaben übernehmen, bleibt die Frage nach ihrer rechtlichen Einordnung in wesentlichen Punkten ungeklärt. Besonders deutlich wird dies, wenn ein System eigenständig Entscheidungen trifft und dabei Fehler mit schwerwiegenden Folgen verursacht.

Im zivilen Bereich hat die Gesetzgebung bereits auf zahlreiche digitale Entwicklungen reagiert. Regelungen zu KI, Produkthaftung und Cybersicherheit schaffen rechtliche Grundlagen für den Einsatz vernetzter und automatisierter Technologien. Für KI-Systeme, die ausschließlich militärischen Zwecken dienen, gilt die europäische KI-Verordnung hingegen nicht.

Das bedeutet allerdings keinen rechtsfreien Raum. Insbesondere das humanitäre Völkerrecht bleibt verbindlich. Offen sind jedoch zahlreiche Fragen zur konkreten Verantwortung: Wer haftet, wenn ein autonomes System Ziele falsch identifiziert? Welche Pflichten treffen Hersteller, Betreiber und militärische Entscheidungsträger? Und wie sind Fehlfunktionen zu bewerten, die durch eigenständige Entscheidungen einer KI entstehen?

Nach Einschätzung von Klindt besteht die Gefahr, dass diese Fragen erst nach einem schwerwiegenden Vorfall gerichtlich geklärt werden. Die bislang fragmentierte Rechtslage erschwert es, Verantwortlichkeiten bereits bei Entwicklung, Beschaffung und Einsatz autonomer Systeme eindeutig festzulegen.

Damit wird die rechtliche Gestaltung selbst zu einer Voraussetzung technologischer Innovation. Denn leistungsfähige autonome Systeme benötigen nicht nur sichere Software und zuverlässige Sensorik, sondern auch klare Regeln für ihren Einsatz und den Umgang mit möglichen Schäden. Ohne entsprechende Rechtssicherheit drohen aus technischen Fortschritten neue rechtliche und gesellschaftliche Konflikte zu entstehen.