Waffensystemarchitektur im Wandel: Der Weg zur hybriden Flotte

Unbemannte Systeme, kürzere Innovationszyklen und nicht-kinetische Wirkmittel verändern die maritime Kriegsführung grundlegend. Vizeadmiral Axel Deertz, Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte sowie Stellvertreter des Inspekteurs der Marine, erläutert, wie die Deutsche Marine ihre Fähigkeiten weiterentwickelt und ihre Einsatzbereitschaft stärkt.
Vizeadmiral Axel Deertz, Befehlshaber der Flotte und   Unterstützungskräfte & Stellvertreter des Inspekteurs der Marine

Unbemannte Systeme verändern die Kräfteverhältnisse auf See. Sie ermöglichen Aufklärung, Zielerfassung und Waffeneinsatz ohne eigenes Personal zu gefährden. Dies stellt selbst potente Marineverbände vor komplexe Herausforderungen. Gleichzeitig erhöhen weitreichende Waffensysteme sowie Angriffe im Cyber- und Informationsraum die Verwundbarkeit klassischer Plattformen. Die zunehmende Vernetzung schafft neue operative Möglichkeiten, führt jedoch auch zu zusätzlichen Abhängigkeiten.

Die Deutsche Marine setzt deshalb auf die Transformation zu einer hybriden Flotte, in der bemannte Überwassereinheiten absehbar weiterhin den Kern bilden. Ergänzt werden sollen sie durch unbemannte Systeme in der Luft, auf und unter Wasser. Bestehende Schiffe bleiben dabei relevant, indem sie technisch weiterentwickelt und zunehmend als Trägerplattformen für zusätzliche Fähigkeiten genutzt werden.

Neben technologischer Innovation ist die personelle und materielle Einsatzbereitschaft entscheidend. Angesichts wachsender Verpflichtungen in der Landes- und Bündnisverteidigung muss die Marine ihre Kräfte quantitativ verstärken, Ausbildungskapazitäten ausbauen und ihre Reserve operativ nutzbar machen. Zugleich sollen ständig mindestens zwei Drittel der Hauptwaffensysteme einsetzbar sein. Dafür sind leistungsfähige Wartungs- und Instandsetzungsstrukturen unverzichtbar.

Eine besondere Bedeutung misst Admiral Deertz den Menschen mit Führungsverantwortung bei. Künstliche Intelligenz verbessert das Situationsbewusstsein und beschleunigt Entscheidungsprozesse, kann aber nie die Verantwortung für militärisches Handeln übernehmen. Führungskräfte müssen komplexen Bedrohungslagen digital mündig begegnen und dabei die Grundsätze vernetzter Auftragstaktik anwenden können. 

Daher entscheidet nicht allein neue Technologie über Einsatzbereitschaft und Abschreckungsfähigkeit der Deutschen Marine. Beides wird erst im Zusammenspiel aus bemannten und unbemannten Systemen, Einsatzbereitschaft und resilientem Führungspersonal geschaffen. Das Schiff, technisch aufgewertet, mit einer bedrohungsgerecht ausgebildeten Besatzung, bleibt dabei absehbar wichtigster Teil einer ausgewogenen Flotte.