Von der Erprobung zur Schlagkraft: Wie Innovation schneller in die Marine kommt

Neue Technologien entfalten ihren militärischen Nutzen erst, wenn sie tatsächlich eingesetzt werden können. Kapitän zur See Karsten Knecht vom Marineinnovationsmanagement im Marinekommando erläutert, wie gezielte Erprobungen, Innovationswettbewerbe und neue Partnerschaften den Weg von der Forschung in die Flotte verkürzen sollen.
Kapitän zur See Karsten Knecht, Marineinnovationsmanagement /   MarKdo  WFM 1

Zwischen einer vielversprechenden technischen Entwicklung und ihrer Einführung in die Truppe liegt häufig eine entscheidende Hürde: Während das wissenschaftliche Interesse mit zunehmender Technologiereife abnimmt, steigt das Interesse der Industrie oft erst bei weit entwickelten Prototypen. Dieses sogenannte „Tal des Todes“ will die Marine mit einem systematischeren Innovationsmanagement überwinden.

Dafür sollen Forschungsvorhaben und Technologien künftig nach ihrer Reife und ihrem konkreten Nutzen für die Marine bewertet werden. Ein Technologie- und Innovationsmonitor soll relevante Entwicklungen sichtbar machen und ihre gezielte Überführung in Erprobungen ermöglichen. Grundlage dafür ist ein Marineinnovationsplan für den Zeitraum bis Ende 2027.

Eine wichtige Rolle spielen die Experimentalserien TALOS und ARTHUR. Während TALOS 26 bereits weit entwickelte Technologien zum Schutz von Hafenanlagen unter realitätsnahen Bedingungen erproben soll, richtet sich ARTHUR 27 insbesondere an Start-ups und mittelständische Unternehmen mit noch nicht serienreifen Lösungen. Durch praktische Tests und die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen sollen diese Entwicklungen schneller vorangebracht werden.

Unterstützung erhält das Marineinnovationsmanagement unter anderem durch die Wehrtechnische Dienststelle 71, den TechHUB SVI Nord, das DLR und Fraunhofer-Institute. Auch internationale Innovationsnetzwerke wie NATO DIANA sollen stärker eingebunden werden.

Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch der Übergang von erfolgreichen Erprobungen zur Beschaffung. Knecht setzt sich dafür ein, spätere Beschaffungsverfahren bereits bei der Planung von Experimenten mitzudenken, um Zeitverluste zu vermeiden. Denn technologische Überlegenheit entsteht nicht allein durch gute Ideen, sondern vor allem dadurch, dass daraus rechtzeitig einsatzfähige Fähigkeiten werden.