Künstliche Intelligenz kann Informationen schneller auswerten und Entscheidungen vorbereiten, als es Menschen in bestimmten Situationen möglich ist. Gerade in der Luftverteidigung kann dieser Zeitvorteil entscheidend sein. Doch die zentrale Frage lautet nicht, ob KI grundsätzlich eingesetzt werden sollte, sondern welche Aufgaben ihr unter welchen Bedingungen übertragen werden können.
Dabei stößt die Technologie an Grenzen. Entscheidungen von KI-Modellen sind häufig nur eingeschränkt erklärbar. Trainingsdaten bilden die Einsatzrealität nicht vollständig ab und im militärischen Umfeld versucht ein Gegner gezielt, Sensoren, Daten und Systeme zu täuschen oder zu stören. Vollständige Fehlerfreiheit ist deshalb nicht zu erwarten. Gleichzeitig birgt auch der Verzicht auf KI Risiken, wenn dadurch wichtige Verteidigungsfähigkeiten fehlen.
Jansen plädiert daher für einen situationsabhängigen Umgang mit menschlicher Kontrolle. Statt ausschließlich danach zu unterscheiden, ob ein Mensch unmittelbar an einer Entscheidung beteiligt ist oder sie lediglich überwacht, müsse der gesamte Einsatzkontext betrachtet werden. Bei der Abwehr schneller Bedrohungen auf See können andere Anforderungen gelten als beim Einsatz in dicht besiedelten Gebieten. Entscheidend bleibt, dass menschliche Verantwortung eindeutig zugeordnet ist und die Grenzen automatisierter Entscheidungen im Voraus festgelegt werden.
Das humanitäre Völkerrecht bildet dafür bereits einen grundlegenden Rahmen. Insbesondere die Unterscheidung zwischen militärischen Zielen und Zivilpersonen sowie die Verhältnismäßigkeit eines Angriffs müssen auch beim Einsatz von KI gewährleistet bleiben. Die Herausforderung besteht darin, diese rechtlichen Vorgaben in konkrete technische Anforderungen und Einsatzregeln zu übersetzen.
Daraus ergeben sich mehrere Aufgaben: Sicherheits- und Kontrollmechanismen müssen bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden. Eine enge Verzahnung der Industrie mit militärischen Anwendern, Entwicklern und Einsatzplanern ist hierfür aus Jansens Perspektive unabdingbar. Zudem benötigen. Hersteller und Streitkräfte benötigen klare Einsatzgrenzen, nachvollziehbare Prüfverfahren und messbare Qualitätsstandards. Realitätsnahe Testumgebungen sollen helfen, die Leistungsfähigkeit und Grenzen der Systeme frühzeitig zu untersuchen. Hinzu kommen geeignete Ausbildungsangebote für militärische Anwender und Industrie.
Der Leitgedanke: Nicht die Maschine übernimmt die Verantwortung. Vielmehr müssen Menschen bereits bei Entwicklung, Prüfung und Einsatzplanung festlegen, was ein KI-System unter welchen Bedingungen tun darf und wie seine Entscheidungen kontrollierbar bleiben.
