Humanoide Roboter gelten als vielversprechende Zukunftstechnologie. Während Unternehmen bereits ihren Einsatz in industriellen Produktions- und Logistikprozessen vorbereiten, ist die militärische Nachfrage bislang gering. Nach Einschätzung von Oberst i. G. Stefan Laupert befinden sich menschenähnliche Roboter noch in einer frühen Entwicklungsphase. Für einen breiten militärischen Einsatz müssen insbesondere ihre Zuverlässigkeit, Beweglichkeit und Ausdauer weiter verbessert werden.
Dennoch beschäftigt sich das Planungsamt der Bundeswehr mit möglichen Einsatzfeldern. Denn langfristig könnten humanoide Roboter Aufgaben übernehmen, für die heute militärisches oder ziviles Personal benötigt wird. Angesichts der demografischen Entwicklung wäre dies besonders interessant. Voraussetzung ist allerdings, dass die menschenähnliche Bauform gegenüber einfacheren, spezialisierten unbemannten Systemen einen tatsächlichen Vorteil bietet.
Ein möglicher Anwendungsbereich sind urbane Operationen. Gebäude, Treppen, Türen und viele technische Einrichtungen sind auf Menschen ausgelegt. In solchen Umgebungen könnten humanoide Roboter perspektivisch Aufgaben übernehmen, die für andere unbemannte Plattformen schwer zugänglich sind. Laupert skizzierte als langfristige Zielvorstellung eine Gruppe von acht humanoiden Robotern, die von zwei Soldaten über Sprache gesteuert wird. Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein Entwicklungsziel, nicht um eine bereits verfügbare Fähigkeit.
Auch weniger anspruchsvolle Aufgaben kommen infrage. Bereits Roboter, die einfache Hilfs- und Unterstützungsfunktionen zuverlässig ausführen können, könnten militärisches Personal entlasten. Laupert nannte in diesem Zusammenhang auch den Schutz kritischer Infrastruktur bei länger andauernden hybriden Bedrohungen.
Ein besonderer Vorteil könnte künftig in der schnellen Übertragung neuer Fähigkeiten liegen. Während Menschen individuell ausgebildet werden müssen, ließen sich aktualisierte Software, erlernte Verfahren oder verbesserte Funktionen grundsätzlich auf zahlreiche Roboter übertragen. Solche Aktualisierungen könnten die Anpassung an neue Anforderungen beschleunigen. Ob sich dieses Potenzial unter realen Einsatzbedingungen ausschöpfen lässt, bleibt allerdings Gegenstand weiterer Entwicklung.
Das Planungsamt will deshalb gemeinsam mit der Truppe konkrete Anwendungsfälle identifizieren und technologische Fortschritte frühzeitig bewerten. Dafür müssen Forschung, Industrie, Innovationsmanagement, Fähigkeitsplanung und Beschaffung zusammenarbeiten. Auch Zwischenergebnisse können bereits militärisch nutzbar sein, selbst wenn umfassend autonome humanoide Systeme noch nicht verfügbar sind.
Der zentrale Gedanke: Humanoide Roboter können das Spektrum unbemannter militärischer Systeme künftig erweitern. Entscheidend ist jedoch nicht ihre menschenähnliche Gestalt, sondern ob sie konkrete Aufgaben besser oder wirtschaftlicher erfüllen als andere technische Lösungen.
