Hochlauf Produktionskapazitäten statt Wartezeiten: Was die Verteidigungsindustrie jetzt braucht

Die Verteidigungsindustrie soll schneller liefern, ihre Kapazitäten ausbauen und neue Technologien in die Anwendung bringen. Dr. Elisabeth Hauschild, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) macht deutlich, welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, von verlässlichen Aufträgen über vereinfachte Verfahren bis zum Abbau regulatorischer Hürden.
Dr. Elisabeth Hauschild, Hauptgeschäftsführerin BDSV

Die steigenden Anforderungen an die Verteidigungsfähigkeit Europas erfordern nicht nur leistungsfähige Waffensysteme, sondern auch eine Industrie, die diese schnell und in ausreichender Stückzahl bereitstellen kann. Neben etablierten Rüstungsunternehmen engagieren sich zunehmend mittelständische Betriebe und Start-ups im Verteidigungssektor. Damit wächst das Innovationspotenzial, zugleich steigen die Anforderungen an Beschaffungsprozessen, Zusammenarbeit und der industriellen Umsetzung im Bereich Skalierung.

Eine zentrale Voraussetzung für den Kapazitätsaufbau ist nach Einschätzung Hauschilds eine langfristige Planungssicherheit, die nur über verbindliche Bestellungen mit langer Laufzeit gewährleistet werden kann. Langfristig planbare Aufträge ermöglichen es Unternehmen, Produktionsanlagen auszubauen, Lieferketten resilient abzusichern und zusätzliche Fachkräfte einzustellen. Auch der Zugang zu Finanzierung und kritischen Rohstoffen bleibt entscheidend. Der Kapitalmarkt steht seit geraumer Zeit größtenteils an der Seite der Verteidigungsindustrie, eine europäische-kanadische Defence Security Resilience Bank befindet sich im Aufbau.

Beschleunigungspotenzial sieht Hauschild insbesondere bei Zulassungs- und Beschaffungsverfahren. Systeme, die sich bereits im Einsatz bewährt haben oder in anderen NATO-Staaten zertifiziert wurden, sollten nicht grundsätzlich erneut vollständige Prüfverfahren durchlaufen müssen. Gleichzeitig benötigen neue Marktteilnehmer bessere Zugänge zu den Beschaffungsorganisationen, damit Innovationen schneller in einsatzfähige Produkte überführt werden können.

Weitere Herausforderungen ergeben sich durch die bisher üblichen Genehmigungsverfahren beim Ausbau industrieller Standorte. Langwierige bau- und umweltrechtliche Prozesse können den dringend benötigten Produktionshochlauf verzögern.
Hauschild setzt daher auf das Infrastrukturzukunftsgesetz, welches sich derzeit in der parlamentarischen Abstimmung befindet und hier klare Ausnahmeregeln beschreiben wird. 
Zudem: bei Veränderungen großer Beschaffungsprogramme wie derzeit bei dem F 126 – Programm müssen industrielle Kapazitäten möglichst schnell für andere Vorhaben nutzbar gemacht werden können.

Die industrielle Verteidigungsfähigkeit hängt somit nicht allein von technologischen Entwicklungen oder höheren Budgets ab. Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Entscheidungen und die Fähigkeit, vorhandene industrielle Ressourcen flexibel und effizient einzusetzen.