Europäischer Verteidigungsfonds: Förderchancen für Forschung, Entwicklung und Innovation

Der Europäische Verteidigungsfonds eröffnet Unternehmen und Forschungseinrichtungen neue Möglichkeiten zur Beteiligung an multinationalen Entwicklungsprojekten. Dr. Lino Schneider-Bertenburg von der Nationalen Kontaktstelle für den Europäischen Verteidigungsfonds erläutert die Förderbedingungen, Anforderungen an Konsortien und besonderen Unterstützungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen.
Dr. Lino Schneider-Bertenburg, Nationale Kontaktstelle   für den Europäischen Verteidigungsfonds

Der Europäische Verteidigungsfonds (EDF) ist ein zentrales Instrument zur Stärkung der europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsforschung und -entwicklung. Mit einem Budget von rund acht Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027 fördert die Europäische Union gemeinsame Technologieprojekte, die zur Entwicklung neuer militärischer Fähigkeiten und zur Verringerung technologischer Abhängigkeiten beitragen sollen. Die jährlichen Arbeitsprogramme legen fest, welche technologischen Schwerpunkte gefördert werden und welche Anforderungen die jeweiligen Projekte erfüllen müssen.

Grundsätzlich unterscheidet der EDF zwischen Forschungsprojekten (Research Actions) und Entwicklungsprojekten (Development Actions). Während Forschungsprojekte mit bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten unterstützt werden können, gelten für Entwicklungsprojekte je nach Aktivität unterschiedliche Förderquoten. Für letztere ist zudem die Unterstützung durch mindestens zwei europäische Verteidigungsministerien erforderlich. In Deutschland erfolgt die Abstimmung hierzu über das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), das auf Grundlage eingereichter Projektskizzen über mögliche Absichtserklärungen und Kofinanzierungen entscheidet.

Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme ist die Bildung geeigneter internationaler Konsortien. Unternehmen müssen ihre technologischen Kompetenzen mit den Anforderungen der Ausschreibungen abgleichen und frühzeitig Partner aus anderen europäischen Staaten gewinnen. Wie Schneider-Bertenburg hervorhebt, bieten insbesondere die veröffentlichten Arbeitsprogramme und Informationen über bereits geförderte Projekte wertvolle Orientierung. Sie ermöglichen es, technologische Prioritäten zu erkennen, potenzielle Kooperationspartner zu identifizieren und sich gezielt auf künftige Ausschreibungen vorzubereiten.

Besondere Beteiligungsmöglichkeiten bestehen für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups. Neben themenoffenen Ausschreibungen und Fördermöglichkeiten für disruptive Technologien bietet das EU Defence Innovation Scheme (EUDIS) zusätzliche Unterstützung durch Accelerator-Programme, Mentoring, Matchmaking und Innovationswettbewerbe. Diese Instrumente sollen den Zugang zu europäischen Verteidigungsprojekten erleichtern und innovative Technologien schneller in bestehende industrielle Wertschöpfungsketten integrieren. Auch Unternehmen, die bislang überwiegend im zivilen Bereich tätig waren, können über entsprechende Förderlinien den Einstieg in den Verteidigungssektor finden.

Das Interesse am EDF nimmt deutlich zu. Für das Arbeitsprogramm 2026 wurden nach Angaben der Nationalen Kontaktstelle mehr als 600 Anträge eingereicht, rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wächst auch der Wettbewerb um Fördermittel. Umso wichtiger werden eine langfristige Innovationsstrategie, fundierte Kenntnisse der Förderverfahren und belastbare europäische Partnerschaften.

Der Europäische Verteidigungsfonds bietet somit nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch einen Zugang zu europäischen Forschungsnetzwerken, industriellen Kooperationen und potenziellen militärischen Auftraggebern. Für Unternehmen kann die frühzeitige Beteiligung an entsprechenden Projekten eine wichtige Grundlage schaffen, um sich langfristig im europäischen Verteidigungsmarkt zu positionieren.